Hannes lebt mit seiner Mutter Fritzi und dem alten Heinrich Hildebrand in einer leicht verfallenen Villa in der Nähe eines Moores. Er ist ein stiller Junge mit einer ganz besonderen Gabe: er spielt nicht einfach nur Klavier – nein, er lebt das Klavier. „So drömelig der Junge mit allem anderen war, so schnell begriff er am Klavier. Er konnte bald ganze Sonaten auswendig… und als der alte Hildebrand ihn fragte, wie er das alles erinnere, sah Hannes ihn erstaunt an…, als verstünde er die Frage nicht."
Hannes sagt mit dem Klavier, was er mit Worten nicht sagen kann.
Polina, die Tochter von Fritzis bester Freundin, ist das Mädchen, das irgendwie immer dazu gehört. Kindheitsfreundin, erste Teenagerliebe, Seelenverwandte, auch wenn Hannes oft denkt, dass sie ihn viel weniger braucht als er sie.
Als Hannes vierzehn ist, schreibt er für sie eine Melodie, eine Art klanggewordene Liebeserklärung.
Doch das Leben schlägt zu – mit einem Schicksalsschlag, der Hannes alles nimmt: seine Mutter, sein Zuhause, seine Musik. Und auch Polina.
Jahre später ist Hannes ein Mann, der funktioniert. Er arbeitet als Klavierträger, aber Klavier spielt er nicht mehr. „Musik zu machen, wie früher im Moor, als er glücklich gewesen war, ohne je darüber nachzudenken, was Glück bedeutet… das erfüllte ihn mit einer alles verschluckenden Trauer. – Das einzige, was seinem Kummer gerecht wurde, war die Stille.“
Trotz seines guten Freundes Bosch und seiner Beziehung zu Leonie – bei der sich nicht nur man selbst während des Lesens, sondern auch Hannes immer wieder wundert, was sie, der der Genitiv so wichtig ist, an einem mittellosen, halb invaliden (Klaviere sind schwer, Bandscheibe!) Möbelpacker findet – ist es ein einsames Leben.
Doch eines Tages passiert etwas, das Hannes die Musik zurückgibt – und vielleicht bringt ihm das auch Polina zurück?
Mir hat dieser Roman unglaublich gut gefallen!
Besonders berührend sind die Teile der Geschichte, die in der alten Villa und der sturmzerzausten Moorlandschaft spielen. Das wurmzerfressene Klavier im Speisesaal, der gemalte blaue Kranich auf dem Gartenschuppen, eine Mutter wie Fritzi Prager und der alte Zausel Hildebrand – das hat schon beinahe etwas märchenhaftes.
„Für Polina“ ist ein schmales Buch über eine riesengroße Liebe und über einen ganz besonderen Jungen, der am Klavier versucht, die Welt zu reparieren – eine zauberhafte Geschichte über die Hoffnung, ohne die das Leben unerträglich wäre, über die Hoffnung, dass am Ende alles gut werden wird, trotz aller Irrungen und Wirrungen und aller Fehler, die man gemacht hat.
Hannes‘ Klavierlehrerin Clotilde sagt es in perfekten Worten: Klavierspielen ist nicht als Hobby zu begreifen, sondern als das, was es wirklich ist:
Das Einzige, das einen über die Absurditäten des Lebens hinwegtrösten kann.
Ein Buch für alle, die glauben, dass Musik manchmal mehr sagen kann als Worte.
Takis Würger Für Polina
Als er vierzehn ist, verliebt sich Hannes Prager in das Mädchen Polina. Um ihr seine Liebe zu zeigen, komponiert der wundersam begabte Junge eine Melodie, die Polinas ganzes Sehnen und Wu¨nschen umfasst. Doch sein Leben nimmt eine unvorhergesehene Wendung, Hannes hört auf, Klavier zu spielen und seine und Polinas Wege trennen sich. Nach Jahren, in denen er nichts als Leere fühlt, erkennt Hannes: Er muss Polina wiederfinden. Und das Einzige, womit er sie erreichen kann, ist ihre Melodie.