„Todesursache. Lebenserwartung. Es ist eigentlich ganz einfach.“ Die Ausgangslage ist schräg und auch ein bisschen spooky. Was würden Sie dazu sagen, wenn während eines nicht mal zweistündigen Fluges plötzlich eine elegante und dabei doch unauffällige ältere Dame von Sitzreihe zu Sitzreihe spaziert und jedem Fluggast, also auch Ihnen, sowohl die ihn betreffende Todesursache wie auch den Todeszeitpunkt mitteilen würde? Man könnte sich, so wie einige Fluggäste in der Geschichte, fragen, ob diese Dame irgendwie esoterisch angehaucht oder ein Medium ist und von dem Hellseher- und Wahrsagerkongress in Hobart kommt; wahrscheinlich aber würde man das ganze als Humbug und völligen Schwachsinn abtun… und ganz, ganz, ganz vielleicht würde bei so manchem ein klitzekleiner Stachel steckenbleiben und die diffuse Angst: Was wäre, wenn? Was, wenn „die Todesdame“ recht hat? Diejenigen Passagiere, deren Geschichte und deren Leben wir nun weiterverfolgen, tendieren eigentlich alle zu der „totaler Blödsinn“-Einstellung, aber als nach kurzer Zeit einige der Prognosen der geheimnisvollen alten Dame eintreffen, ändert sich so manches. „Vorsehung“ hat mich ein kleines bisschen an den Roman „Die Vorhersage“ von Nikki Erlick erinnert, der mir auch sehr gut gefallen hat, aber Liane Moriartys Geschichte ist noch viel, viel besser. Ich liebe es einfach, wie detailliert sie ihre Hauptfiguren zeichnet, so dass sie einem bald wie gute, alte Bekannte vorkommen, und ihr besonderer Schreibstil mit all seinen Pointen ist sowieso immer grandios. Und wenn dann zum Schluss hin immer mehr Puzzleteilchen an den richtigen Platz fallen und das Gesamtbild immer schlüssiger und immer perfekter wird, dann ist das einfach nur schön. Mich hat das sogar ein-, zweimal ein paar Tränen der Freude und der Rührung vergießen lassen.