„Ich stelle mir oft die Frage: Wie muss es sich anfühlen, vollkommen frei zu sein, ein ungebundenes Leben zu führen, ohne für andere Menschen verantwortlich zu sein?“ Die junge Ji-won ist all das nicht. Aufgewachsen in Kalifornien in einer traditionellen, koreanischen Familie ist sie nach der überraschenden Trennung der Eltern, diejenige, die die Familie zusammenhält; sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihre jüngere Schwester und die völlig überforderte, hilflose Mutter. Als sich dann eines Tages auch noch George, der neue Freund der Mutter, ein extremer Unsympath – „Ich bin Republikaner, weil wir nicht alle vom Staat leben können.“ – bei ihnen einnistet, beschließt Ji-won: Es reicht! Ihre Mutter mag zu schwach sein und ihre Schwester zu jung, aber sie ist weder das eine noch das andere. George muss weg… und nicht nur er. Langsam und immer bedrohlicher erleben wir mit, wie sich Ji-wons Besessenheit zu einer wahren Obsession steigert. Längere Zeit habe ich gerätselt, ob ich es hier mit einer gefühlskalten Soziopathin zu tun habe oder ob Ji-wons „Anwandlungen“ einer Art Wahn entspringen. Das Ende ist dann so überraschend wie großartig – und sehr, sehr fies! „Das Beste sind die Augen“ ist in diesem Falle wörtlich zu nehmen – wer dieses Buch liest, braucht definitiv einen stabilen Magen!