Charlotte McConaghy Die Rettung

Ein existenzieller Roman über Liebe, Schönheit und Gewalt am äußersten Ende der Welt 

Dominic Salt lebt mit seinen drei Kindern auf einer verlassenen Insel, irgendwo zwischen Australien und Antarktis. Weil das kleine Stück Land langsam vom steigenden Wasser verschlungen wird, ist das Forschungsteam, zu dem auch Dominic gehörte, längst abgereist, und bald soll auch die Familie ans Festland zurückkehren. Doch wird in einer folgenreichen Sturmnacht plötzlich eine Frau an die Küste gespült. Sie ist schwer verletzt, fast erfroren. Wer ist die Fremde? Und wie ist sie ausgerechnet nach Shearwater geraten? Während die Kinder sich von ihrer atemberaubend schönen Insel verabschieden müssen, von den Seelöwen und Albatrossen, den sturmumtosten Klippen und versteckten Senken, beginnen die fünf Menschen, einander zu umkreisen, ihre Sehnsüchte und Geheimnisse zu teilen und sich zu fragen: Welche Entscheidungen müssen wir treffen, um die Menschen zu schützen, die wir lieben?

Mit »Die Rettung« ist Charlotte McConaghy, die Bestseller-Autorin von »Zugvögel« zurück in ihrem Element: dem wilden, wunderschönen und existenziell bedrohlichen Meer.


Shearwater Island, diese wundersame subantarktische Insel, auf halber Strecke zwischen Tasmanien und der Antarktis gelegen, ist trotz ihrer Wunder keine Touristeninsel. Es ist die weltweit letzte Kolonie von Haubenpinguinen, und außer denen leben hier nur Seebären und Seeelefanten, über achtzigtausend Robben und drei Millionen brütende Seevögeln – und Dominc Salt, seit acht Jahren der Verwalter aller Gebäude auf der Insel, und seine drei Kinder Raff, Fen und Orly. Meistens ist es ruhig, der Alltag besteht aus einfachen Pflichten. Außerdem gibt es auf der Insel den Shearwater Global Seed Vault, den Saatgutbunker, dazu konstruiert, allem standzuhalten, was die Welt gegen ihn aufbietet. Kurz gesagt: Er dient der Rettung der Menschheit in einer Zukunft, in der die Nahrungsgrundlage möglicherweise neu angepflanzt werden muss.

Außer den Wissenschaftlern, die die Fauna, das Wetter und die Gezeiten studieren, kommt so gut wie nie jemand je hierher.
Doch dann wird in einer stürmischen Nacht eine Frau an den Strand gespült, halb tot, doch sie überlebt schwer verletzt. Wie sich herausstellt, ist Rowan die Frau eines der Wissenschaftler; auf der Suche nach ihrem Mann, nachdem sie seine beunruhigenden Briefe erreicht haben, die von großer Angst und großer Gefahr zeugen.
Doch die Wissenschaftler sind alle weg – angeblich mit dem letzten Versorgungsschiff zurückgekehrt nach Australien. Denn der Saatgutbunker soll dichtgemacht werden. Zu schnell steigt der Meeresspiegel und die Gefahr einer Überflutung des Bunkers wächst von Tag zu Tag. Über kurz oder lang wird die Insel untergehen.
Aber Rowans Mann ist nie zu Hause angekommen. Hat er sie verlassen oder ist etwas noch viel schlimmeres passiert?

Geschickt verwebt Charlotte McConaghy Rowans Geschichte mit der der Familie Salt. Da wie dort gibt es dunkle Geheimnisse, die gehütet werden wollen.
Im Vordergrund stehen aber – so wie in all ihren Romanen – die Zerstörung der Natur, das Verschwinden der Tiere, der Klimawandel.
Rowan sagt es an einer Stelle sehr drastisch: „Eines Tages, eher früher als später, wird alles auf der Welt verbrennen, ertrinken oder verhungern.“
Shearwater Island ist ein Ort, der einem zunächst nur feindselig vorkommt – zu stürmisch und fast immer dunkel ist es dort, eiskalt und ewig prasselnder Regen, doch dann offenbart sich ihre Schönheit und ihr verborgener Reichtum.
Das ist McConaghys ganz große Stärke: Naturbeschreibungen und Naturgewalten, die einem den Atem rauben. Dazu eine Familie, in der vor allem die Kinder trotz ihrer jahrelangen Isolation einer Fremden statt mit -Misstrauen mit offener Wärme und ungezwungener Freundlichkeit begegnen, „und ich frage mich, ob diese Großherzigkeit ein Ergebnis ihrer Isolation und Einsamkeit ist oder einfach in ihrem Wesen liegt.“

Ganz besonders zu Herzen gehen die Kapitel, in denen der neunjährige Orly von bestimmten Pflanzensamen erzählt, z.B. vom größten Wanderer, nämlich dem gewöhnlichen Löwenzahn, dessen Samen mit dem Wind bis zu hundert Kilometer zurücklegen können und jeder Menge Tiere als Nahrung dienen. „Und trotzdem gilt dieser Löwenzahn, diese kleine Blume, als Unkraut.“
Oder vom sogenannten Dinosaurierbaum, von dem alle glaubten, er sei vor zwei Millionen Jahren ausgestorben. Bis ein Park-Ranger im Frühling 1994 in einem unzugänglichen Gebiet eines Nationalparks in Australien einige Exemplare der Wollemie entdeckte – eine Art lebendes Pflanzenfossil.
Orlys Kapitel sind nicht nur lehrreich, sondern von einer so schlichten und poetischen Schönheit, dass ich sie, als ich mit dem Buch fertig war, mit einem Gefühl der Rührung direkt nochmal gelesen habe.

„Die Rettung“ ist ein stiller, aber dramatischer Roman über eine überwältigende Natur und deren Zerbrechlichkeit, über eine einzigartige Insel, eine außergewöhnliche Tierwelt und über die tiefe Liebe zwischen Eltern und ihren Kindern, über die dünne Linie zwischen Fürsorge und Zerstörung – ein Roman mit einer enormen Wucht.
Unbedingt lesen!