Mit seinem neuen Roman Air legt Christian Kracht ein ebenso faszinierendes wie herausforderndes Werk vor, das in seiner Unzugänglichkeit und atmosphärischen Dichte an Barnhill erinnert – jene letzte Zuflucht George Orwells, in der 1984 entstand. Im Zentrum steht Paul, ein schweizerischer Innenausstatter, der den Auftrag erhält, ein Data-Center in einem ehemaligen NATO-Bunker in makelloses Weiß zu tauchen. Doch dieser scheinbar banale Auftrag entfaltet bald eine tiefere, beinahe metaphysische Dimension. Wie kaum ein anderer Autor versteht es Kracht, Bedeutungen zu verschlüsseln und seine Leser:innen auf eine mehrdeutige, intellektuell fordernde Reise mitzunehmen. Air ist dabei nicht nur eine Auseinandersetzung mit den drängenden Fragen unserer Zeit – künstliche Intelligenz, radikaler Minimalismus, digitale Vereinsamung und die paradoxe Mischung aus Distanzlosigkeit und Social Cocooning–, sondern auch ein stilistisch brillantes Spiel mit der Vielschichtigkeit unserer Welt.