Eva Menasse Alleinruhelage

Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.

Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus – und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer »stabilen Alleinruhelage«.

Eva Menasse hat einen vielschichtigen Roman über die Zwischenbilanz eines Lebens geschrieben, eine gewitzte Reflexion über Fremdheit und Heimat – und das Abschiednehmen.

"Haus ich verkaufe dich" - so beginnt Eva Menasses neuester Roman. Das Haus steckt voller Erinnerungen, von der Erfüllung des Traums vom Eigenheim in Alleinruhelage im Grünen über eine gescheiterte Ehe, die Probleme mit der pubertierenden Tochter, eine postnatale Depression und eine weitere Beziehung, die in die Brüche ging - dieses Haus soll nun also verkauft werden. Dabei hat alles so schön begonnen. Ein ehemaliges Gasthaus am See in Vorpommern zum Schnäppchenpreis - die Gelegenheit nach der Wende zu einem Häuschen im Grünen zu kommen. Raus aus der Großstadt, rein in die Pampa. Doch wie so oft trügt auch hier der Schein: Das Haus entspricht nicht den westlichen Standards, die Renovierung ist mühsam wegen unterschiedlicher Normen, und die Bürokratie im neuen Staat ist überbordend. Der See kippt, die Bewohner der zu Wohnhäusern umgebauten Kleingartensiedlung, an deren Rand das Gasthaus steht, sind abweisend bis feindselig, nur ein ehemaliger DDR-Funktionär kümmert sich um die Neuankömmlinge, doch ist er gewohnt zu kommandieren. Die Fundamente des Hauses stammen von einem Casino aus der Nazizeit, in der Umgebung wurden in der DDR Mitglieder der RAF versteckt, und heute ist der Wald geeignetes Gelände für Neonazitreffen. All dies erfahren wir im Verlauf des Buches, das durchaus auch komische Facetten zu bieten hat, etwa die Szenen, die von den polnischen Bauarbeiter*innen dominiert werden. Auch die Erinnerungen an den jüdischen Vater der Ich-Erzählerin und dessen Freund Walter, der ein echter Strizzi ist, lassen einen immer wieder schmunzeln. Eva Menasse überlässt ihre Protagonistin dem Strom ihrer Erinnerungen und Gedanken, die mit großer Formulierungskunst in Form gegossen werden. So entsteht ein komprimiertes Panorama aus Geschichte, Politik und persönlichen Erinnerungen - absolute Leseempfehlung!