Yang Shuang-zi Das Taiwan-Tagebuch

1938. Die japanische Schriftstellerin Aoyama Chizuko reist nach Taiwan, eingeladen von der dort herrschenden Kolonialmacht Japan. Doch Chizuko hat kein Interesse an den imperialistischen Plänen, sondern sehnt sich danach, das echte Leben auf der Insel kennenzulernen und so viel von der authentischen Küche zu kosten, wie ihr berühmt-berüchtigter Heißhunger verkraften kann. Bald wird eine Taiwanerin als ihre Dolmetscherin engagiert und lässt ihre Träume wahr werden. Die charmante und akribische Chizuru organisiert Chizukos Reisen durch das ganze Land und erweist sich zudem als außergewöhnliche Köchin. Die beiden kommen sich auf langen, malerischen Zugfahrten näher, doch etwas veranlasst Chizuru, auf Distanz zu bleiben … Getarnt als Übersetzung eines wiederentdeckten Textes ist ›Das Taiwan-Tagebuch‹ eine kunstvolle Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte, der kulturellen Bedeutung von Essen und Sprache sowie eine bittersüße Liebesgeschichte, die aufzeigt, wie Machtverhältnisse unsere intimsten Beziehungen beeinflussen. Mit einem Nachwort der Übersetzerin Karin Betz.

Der diesjährige International Booker Prize ging zu gleichen Teilen an die Schriftstellerin Yang Shuang-Zi und die Übersetzerin Lin King. Ein würdigeres Buch hätte man auf der Shortlist nicht finden können, geht es doch in diesem Roman um eine japanische Schriftstellerin, die in den 1930er Jahren ins von Japan besetzte Taiwan reist, und ihre lokale Übersetzerin. Gemeinsam erkunden sie nicht nur Küche und Kultur der Insel, sondern auch die Art ihrer Beziehung. Besonderes Augenmerk liegt einerseits auf den Eigenheiten der Küche (die Schriftstellerin im Buch ist ein wissbegieriger Gourmet) und der Sprache Taiwans, andererseits auf der Überheblichkeit der Kolonialherren und ihrem Umgang mit den Bewohnern der Insel. Somit legt Yang Shuang-Zi eine kolonialkritische Geschichte im Gewand eines queeren Liebesromans vor - ein ungewöhnlicher Genuss!